Schwager und Steinlein Verlag Gmbh, Köln
Text von Corinna Hautz und Franz Forsbacher
Illustrationen von Dorothea Tust

Wenn Pia schlafen geht
Pia ist fünf und schon ein ziemlich großes Mädchen, denn sie kann schon alleine zu Bett gehen. Darauf ist sie richtig stolz. Doch, ehrlich gesagt, geht sie gar nicht alleine schlafen. Meistens ist Kuschi bei ihr, der kleine weiße Bär. Die beiden lesen zusammen noch eine Gutenachtgeschichte und schlafen dann friedlich in Pias großen Bett ein. Das ist fast jeden Tag so.
Aber es gibt auch verrückte Tage, da ist alles ganz anders. Neulich zum Beispiel wurden ein paar andere Kuscheltiere ganau gleichzeitig mit Pia und Kuschi müde. Schnuffi, der Hund, und Schnurri, die Katze, wollten mit ins Bett. Na gut, dachte Pia, das Bett ist ja groß genug. Aber kaum hatte Pia sie aufs Kopfkissen gelegt, da riefen auch Pelle, der Affe, das Nilpferd Walter, der Pinguin Charly, die Schildkröte Rita und die drei kleinen Hunde Kläff, Wuff und Strolch nach ihr. Alle waren müde und wollten mit schlafen gehen. In einem Korb trug Pia sie zum Bett. Na gut, dachte Pia, das Bett ist ja groß genug, da dürfen heute einmal meine Tiere bei mir schlafen, auch Kneck, die Haselmaus, der Teddy Jörg und Teddy Knusper, Tiger Tom und Pias erstes Kuscheltier, das kleine weiße Pferdchen, das keinen Namen hatte, aber vom vielen Schmusen schon ganz abgegriffen aussah.
Und dann waren da noch die Puppen, die große Klara, die kleine Moni und die drei niedlichen Geschwister Toni, Theo und Tina, die Oma gestrickt hatte. „Puh, geschafft“, sagte Pia und wollte mit Kuschi ins Bett steigen. Aber da war ja gar kein Platz mehr! Das Bett war wohl doch nicht groß genug.
„Rauswerfen können wir sie nicht wieder“, meinte Pia. „Also schlafen wir heute bei Mami!“ Kuschi nickte beifällig mit dem weißen Kopf. Schnell liefen die beiden hinüber in Mamis Zimmer und legten sich unter das frische, weiße Federbett.
Als Mama später zum Gutenachtsagen kam, staunte sie nicht schlecht, als sie Pia und Kuschi im falschen Bett entdeckte. Pia nuschelte nur im Halbschlaf: „Tut mir leid, Mami! In meimem Bett war es einfach zu voll!“

Pia räumt auf
Erwachsene haben es leicht. Sie brauchen so gut wie nichts zum Leben. Mama zum Beispiel: Morgens eine Tasse Kaffee, das Strickzeug und hin und wieder ein Stück Torte, wenn Tante Elke zu Besuch kommt. Und Papa: Ein paar Pantoffeln, einen Fernseher und Kartoffelchips. Da macht es keine Mühe, Ordnung zu halten. Deshalb sieht es in ihren Zimmern auch immer so aufgeräumt aus.
Pia hat es nicht so einfach. Sie braucht tausend Sachen zum Anziehen und tausend Sachen für den Kindergarten und Millionen Dinge zum Spielen. Die vielen Puppen und die Puppenkleider und die tausend Kuscheltiere und die verschiedenen Stifte und Zeichenblöcke und die Plastikdrachen und die Schmuckkiste mit den Kronen, Ringen und Edelsteinen und die Sammlung ganz toller Steine aus dem Garten und die Lampe mit dem kleinen Bären drauf und die vielen alten Kleider aus dem Koffer zum Verkleiden und und und … Wie soll einer bei so vielen Sachen Ordnung halten können? Mama versteht das nicht. Das sieht man daran, dass Mama alle vier Wochen den Aufräumfimmel kriegt.
Neulich war es wieder so weit: „Pia, ich kann schon gar nicht mehr Staub saugen. Heute räumst du dein Zimmer auf!“
„Na gut“, sagte Pia nur und begann. Die vielen Puppen und die Puppenkleider in den Bettkasten. Die tausend Kuscheltiere alle zusammen auf die Fensterbank, und den Bettkasten. Die tausend Kuscheltiere alle zusammen auf die Fensterbank, und die paar, die noch übrig blieben, durften in der Lampenschale sitzen. Die Stifte und Zeichenblöcke unters Bett, die Plastikdrachen in den Nachttisch und die Schmuckkiste mit den Kronen, Ringen und Edelsteinen unten in den Kleiderschrank. Die Sammlung ganz toller Steine aus dem Garten – Pia überlegte lange – in den alten Koffer von Oma, in dem sonst die Kleider zum Verkleiden waren. Aber wohin mit den Kleidern?
„Mutti, ich bin fertig!“, rief Pia. „Das hast du toll gemacht“, lobte Mama. Pias Zimmer sah wirklich ziemlich ordentlich aus. Nur …
Mama sah Pia an, irgendwie sah ihre Tochter so verändert aus. „Pia, du siehst so seltsam dick aus? Und warum schwitzt du so?“ – Könnt ihr es euch denken? – „Ich wusste einfach nicht mehr, wohin mit den Verkleidungssachen. Da habe ich einfach alle angezogen!“

Opas Uhr
Draußen regnete es. Alle langweilten sich, besonders die Kinder.
Da fragte Opa: „Habe ich euch eigentlich schon einmal die Geschichte von meiner Armbanduhr erzählt?”
„Nein, erzähl mal!” Erwartungsvoll hockten sich die Kinder um Opas Sessel.
Auch die Erwachsenen waren neugierig.
Also begann Opa zu erzählen:
„Tja, damals ist mir einmal etwas ganz Merkwürdiges passiert! Ich arbeitete als Vermessungsingenieur. Ihr wisst es wahrscheinlich, das sind die Männer mit den langen Stangen und den Ferngläsern auf drei Beinen. Wir mussten ein großes, schlammiges Feld vermessen. Eine Straße sollte dort gebaut werden. Es regnete in Strömen, so wie heute, und nach kurzer Zeit waren meine Kollegen und ich über und über mit Schlamm bedeckt. Gegen Mittag begann auch noch mein Magen zu knurren. Ich blickte auf meine neue goldene Armbanduhr, ach, das gute Stück, und rief ,Pause, Essenszeit’. Wir waren alle froh und kehrten in ein Gasthaus ganz in der Nähe ein. Aber so schmutzig, wie wir waren, konnten wir nicht essen. Also gingen wir erst einmal unsere Hände waschen. Der Dreck reichte bis zu den Ellbogen. Damals waren unsere Uhren noch nicht wasserdicht, so wie heute! Ich musste also meine Uhr abstreifen, und dann schrubbte ich mich gründlich. Zurück im Gastraum wurde schon das Essen serviert. Ah, nach so viel Arbeit hatten wir riesengroßen Appetit. Ob die Pause wohl noch für einen Nachtisch reichte? Ich sah auf meine Uhr. Aber o Schreck! Die Uhr war weg!
Schnell rannte ich zu den Waschbecken und suchte. Nichts, keine Uhr! Ich durchsuchte alle meine Taschen, sah auf dem Boden nach, nichts! Ich ging zurück zu den anderen und fragte sie. Aber keiner hatte meine Uhr gefunden. Auch die Wirtsleute halfen nun beim Suchen, aber vergebens, keine Uhr zu sehen.
Ich war traurig, denn ich hing sehr an dieser Uhr. Sie war nicht nur golden, ich hatte sie außerdem von meinem ersten selbst verdienten Geld gekauft. Der Nachtisch wurde serviert, frisch gebackene Berliner. Nachdenklich biss ich in einen hinein, und was meint ihr wohl, was darin war?”
Opa machte eine bedeutungsvolle Pause.
Alle riefen durcheinander: „Die Uhr, die Uhr, deine Uhr!”
„Nein”, erwiderte Opa lachend. „Marmelade!” Da hatte er uns aber gut reingelegt!

Der Nachtengel
Wenn die Sonne untergegangen ist und in allen Häusern in Stadt und Land langsam alle Lichter verlöschen, fliegen die Nachtengel aus dem Himmelstor, die den Schlaf der Kinder bewachen.
Nachtengel sind große und sehr starke Engel, die lange Gewänder aus Dunkelheit tragen, damit nicht jedermann sie einfach sehen kann.
Darunter verborgen trägt jeder Nachtengel ein Flammenschwert.
Nachtengel fliegen genau dorthin, wo Kinder Angst haben, weil sie zu viele gruselige Monster im Fernsehen gesehen haben oder weil sie sich finstere Gestalten, Geister und Gespenster vorstellen, die im Schatten ihres Zimmers lauern.
Ein Nachtengel kann sie alle vertreiben, du musst ihn nur darum bitten.
Peter zum Beispiel sah gestern Abend einen gefährlichen feuerspeienden Drachen, der im Kamin hockte.
„Bitte, vertreib ihn!”, sagte er zu seinem Nachtengel.
Der zückte sein Flammenschwert, und schon flog der Drache vor lauter Angst davon.
Man weiß ja, was Flammenschwerter aus Drachen machen.
Paula dachte, hinter ihrem Kleiderschrank säße ein gefährlicher schwarzer Mann.
„Bitte, vertreib ihn!”, sagte sie zu ihrem Nachtengel, und der zündete einfach eine Laterne an und leuchtete hinter den Schrank, da war der Mann verschwunden.
Pia sah in der Dunkelheit eine riesige Spinne im Garten.
„Bitte, vertreib sie! “, sagte sie zu ihrem Nachtengel, und der tat nur einen Flügelschlag mit seinen Engelsflügeln, und da nur noch der Wäscheständer da.
So wunderbar funktioniert das mit den Nachtengeln.
Ach ja, auch du hast einen Nachtengel.
Du kannst ihn vielleicht nicht sehen, aber er ist da, jeden Abend.
Vielleicht steht er hinter dir oder ist irgendwo hinter einem Möbelstück verborgen.
Du musst ihn nur rufen und ihm sagen, was er tun soll.
Er hilft dir wirklich gern.

Gisela
Pias Geburtstag fiel dieses Jahr genau in die Karnevalszeit. Das fand Pia toll, denn so konnte sie ein Kostümfest feiern. Sie hatte ihre drei besten Freundinnen eingeladen; sie sollten um vier Uhr kommen. Pia konnte es kaum noch erwarten; Kakao und Kuchen standen schon bereit. Wie gut, dass sie ihren Cousin Christian nicht eingeladen hatte, dachte Pia. Er hätte bestimmt schon die Hälfte davon verschlungen!
Schnell rückte sie noch ihre Krone zurecht (sie hatte sich nämlich als Prinzessin verkleidet), da klingelte es auch schon an der Haustür. Ein großer Bär, eine Zigeunerin und eine Indianersquaw standen davor. Hurra, die Gäste! Pia schob die Kassette mit der Karnevalsmusik in den Rekorder, und alle tanzten ausgelassen.
Da klingelte es schon wieder! Wer konnte das denn sein? Pia öffnete verwundert. Ein kleines Mädchen in Dirndlkleid und Kopftuch stand draußen und grüßte schüchtern. „Erkennst du mich denn gar nicht?”, fragte das Mädchen. „Ich bin doch Gisela, deine Cousine.” Pia war verwirrt, sie hatte doch gar keine Cousine, die Gisela hieß. Aber ihre Freundinnen riefen: „Komm rein, Gisela, mach mit!” Na gut, dann durfte sie eben mitmachen, auch wenn sie nicht eingeladen war.
Gsela und die anderen Mädchen freundeten sich schnell an. Sie spielten alle zusammen ein Märchen. Ein sehr verrücktes Märchen mit einem Mädchen, das von einer Zigeunerin in eine Prinzessin “verwandelt wurde, und einem großen Bären, der eine verzauberte Indianerin war. Es machte allen großen Spaß, und sie lachten, dass ihnen die Bäuche weh taten. Jetzt erst einmal eine Pause und ran an den Kuchen!
Da plötzlich begriff Pia, wer Gisela wirklich war. Soviel Kuchen in so kurzer Zeit in sich hineinstopfen, das konnte nur einer! Ihr Cousin Christian! Jetzt erkannte sie auch das Kleid wieder. Das war doch ihr altes Dirndl, aus dem sie schon lange herausgewachsen war. Na, so ein Schlitzohr!
Sie erzählte den anderen nichts von ihrer Entdeckung. Als das schöne Fest vorbei war, waren alle der Meinung, dass Gisela sehr nett sei. Pias Freundin Nicola lud Gisela sogar zu ihrem Geburtstag eine Woche später ein. Da riss Christian das Kopftuch herunter. ,,ich komme gern,“ rief er, „aber nur in Hosen!“

Pias Roller ist weg
Über den Roller zu ihrem Geburtstag hat Pia sich sehr gefreut.
Rot ist er, mit silbernen Rädern und dicken schwarzen Reifen, und hinten hat er einen Gepäckträger.
Er ist ein Geburtstagsgeschenk von Oma.
Schon am Geburtstag ist Pia ganz lange mit dem Roller gefahren, mindestens eine Stunde, und abends hat sie den Roller ganz dicht neben das Bett gerollt, damit sie ihn beim Einschlafen anschauen konnte, und sie hat ganz zufrieden dabei ausgesehen.
Am nächsten Tag wollte Pia mit dem Roller zum Kindergarten fahren, aber Mama war dagegen, weil es regnete.
Aber am Nachmittag waren die Regenwolken weg, und Pia konnte Roller fahren – drei Stunden lang, mindestens.
Sie fuhr bis an den Rand der großen Wiese und bis zum Spielplatz mit dem großen Klettergerüst und bis zum Kiosk, wo es das leckere Eis gab.
Mama hatte Pia sogar etwas Geld mitgegeben, und nach dem vielen Rollerfahren schmeckte das Eis besonders gut.
Am nächsten Tag war so viel los, da hat Pia ihren Roller einfach vergessen.
Er stand in der Garage und wartete, aber Pia kam nicht.
Dann kam das Wochenende, und die Familie fuhr ans Meer, und Pia wollte ihren Roller mitnehmen, aber der Kofferraum war zu voll.
Er musste zu Hause bleiben.
Dann endlich am Montag wollte Pia wieder Roller fahren und lief zur Garage.
Aber der Roller war weg!
Einfach verschwunden!
Hatte sich in Luft aufgelöst!
“Mama, mein Roller!”, rief Pia verzweifelt.
Sie suchten im Keller und bei der großen Wiese, suchten in Pias Zimmer und im Garten, aber der Roller war verschwunden.
Pia war ganz traurig und freute sich gar nicht auf Opa, der am Abend vorbeikommen wollte.
Wie kann sich ein Mädchen freuen, ganz ohne Roller?
Pia hockte in ihrem Zimmer und war traurig und böse.
Jemand hatte ihren Roller geklaut!
Morgen wollte sie zur Polizei gehen!
Dann war es Abend, und Opa kam vorbei.
Aber was war das?
Er kam nicht wie sonst in seinem kleinen blauen Auto.
Opa fuhr Roller!
“Opa, Opa!”, rief Pia.
“Wo hast denn du meinen Roller her?”
“Der stand am Freitagabend ganz allein vor euer Haustür!”, erklärte Opa.
“Da habe ich ihn mit nach Hause genommen!”
“Toll, Opa!”. rief Pia und strahlte.
“Du hast meinen Roller gerettet!”

Pia holt Brötchen
Erwachsene sind ziemlich faul.
Besonders morgens, findet Pia.
Wenn sie sich da ihre Eltern anschaut!
Kaum wachzukriegen, Ringe unter den Augen, und ständig gähnen sie.
Erst wenn sie Kaffe getrunken und mindestens drei meterlange Artikel in der Zeitung gelesen haben, kann man sie ansprechen.
Und etwas essen müssen sie, bevor der Tag überhaupt kosgehen kann, sonst machen sie nichts als Ärger.
“Mama, lies mir mal das Buch hier vor!”,
sagt Pia dann zum Beispiel ganz freundlich, und Mama sagt nur:
“Jetzt nicht, Kind, doch nicht auf nüchternen Magen!”
Kinder sind ganz anders.
Die sind morgens topfit.
Das geht flups! raus aus den Federn und rein ins Vergnügen!
Und weil das so ist, holt Pia morgens Brötchen.
Jeden Tag… na ja, fast jeden Tag.
Nicht, wenn es regnet, und auch nicht, wenn sie verschlafen hat.
Auch nicht, wenn sie gerade etwas ganz Wichtiges spielt.
Aber sonst immer.
Dann klemmt sie den Einkaufskorb hinten auf den Roller, lässt sich von Mama Geld geben uns saust los, immer auf dem Bürgersteig bis zur Bäckerei Dreikötter.
Unterwegs hält sie fast gar nicht an.
Nur wenn einmal ein ganz toller Stein am Straßenrand liegt oder ein besonders schöner Schmetterling auf einer Blüte sitzt.
Oder wenn sie Herrn Maisenbacher mit seinem Dackel Poldi trifft.
Poldi kann so lieb mit dem Schwanz wedeln und spielt immer Stöckchenholen mit Pia.
Wenn sie damit fertig sind, saust Pia sofort weiter.
Vor der Bäckerei stellt sie den Roller in den Fahrradständer und geht hinein.
“Vier Brötchen, bitte”,
sagt sie, aber merkwürdig!
Die nette Bäckersfau gibt ihr immer noch ein Rosinenweckchen umsonst dazu.
Das isst Pia auf, und schon saust sie nach Hause zurück.
Schließlich wartet die Familie ja auf die Brötchen.
Die fallen ihr unterwegs nur ganz selten aus dem Korb, und wenn doch, dann macht das ja nichts, weil sie in einer Tüte sind.
Nur einmal, da sind sie in eine Pfütze gerollt.
Schwups!
Schon ist Pia mit den Brötchen zurück!
Papa freut sich über die Brötchen und Mama darüber, dass Pia gesund zurück ist, und jetzt frühstücken alle.
Nur Pia nicht, die ist schon satt von dem Rosinenweckchen.

Tischmanieren
Pia und Oma waren allein zu Hause.
Oma schaute Pia verschmitzt an.
“Heute spielen wir Restaurant! Was hältst du davon?”
“Wie spielt man das denn?”, fragte Pia neugierig.
“Oh, das ist gar nicht schwer!”, sagte Oma,
“mach einfach mit.”
Sie zogen sich feine Sachen an.
Pia bekam Omas Bluse aus Glitzerstoff und eine Perlenkette um den Hals.
Das waren Omas Theatersachen.
Oma trug das schöne rote Kleid und eine silberne Brosche.
“So jetzt sind wir feine Leute und gehen ins Restaurant.”
Oma deckte einen festlichen Tisch mit ganz viel Besteck, Servietten und Gläsern.
“Was wünscht die Dame als Vorspeise?”, wurde Pia gefragt.
“Was nehme ich denn, eine Suppe?”
Pia flüsterte vorsichtig.
Ui, war das feierlich!
Oma antwortete: “Der Küchenchef empfiehlt heute Nudelsuppe, anschließend vielleicht Würstchen mit Ketchup. Als Nachspeise kann ich Ihnen Schokoladeneis empfehlen.”
Pia nickte heftig.
“Das klingt gut, das esse ich alles sehr gern!”
Oma zwinkerte ihr zu und ging in die Küche.
Man hörte es scheppern und klappern.
Dann kam sie mit zwei Schalen Nudelsuppe wieder.
Sie stelle sie auf den Tisch wie ein richtiger Kellner und setzte sich auf ihren Platz.
“Schau, der große Löffel da oben ist für die Suppe”, sagte sie und begann zu essen.
Pia machte es ihr einfach nach.
Die Würstchen waren schon schwieriger.
Pia mühte sich mit Messer und Gabel, und bald hatte sie es raus.
“Ich sehe, den Herrschaften hat es geschmeckt!”, sagte der Kellner und räumte die Teller ab.
Pia nickte: “Klaro!”
“Danke, sehr gut!”, wiederholte Oma in vornehmen Worten.
Das Schokoladeneis wurde in Schalen auf seltsamen Tellern serviert.
Pia wollte gerade rufen: “Das sind ja die alten Blumenuntersetzer!”, da unterbrach Oma sie schnell.
“Hier kommt das gewünschte Dessert.”
Lecker, das Eis war mit Waffeln und bunten Schokoperlen verziert.
Es sah aus wie eine Eismaus.
Dazu mussten sie die kleinen Löffel nehmen, das einzige Besteck, das noch übrig geblieben war.
Als sie fertig waren, sagte Pia: “Das hat Spaß gemacht.”
Oma lächelte und sagte: “Wollen wir nächste Woche einmal in ein richtiges Restaurant gehen?”

Wenn Schafe nicht schlafen können
Wenn wir Menschen nicht schlafen können, zählen wir manchmal Schäfchen.
Wir stellen uns einen Zaun oder einen Graben vor, über den Schafe springen, und zählen sie dann.
Eins, zwei, drei, fünfundfünfzig, siebenhundertdreizehn, eintausendsechshundertelf, bis wir … chrrr chrrr … ihr wisst schon.
Schafe machen es genau umgekehrt.
Wenn schafe nicht schlafen können, zähnen sie Menschen.
Sie stellen sich einfach einen kleine grünen Zaun vor, über den viele kleine Menschen springen müssen.
Zuerst kommen junge, sportliche Menschen, für die es nur ein Klacks ist, über den niedrigen Bretterzaun zu hopsen.
Hui, blitzschnell sind fünf, zehn, zwanzig, hundert hinübergehoppelt.
Dann kommt ein kleiner Dicker, der bleibt am obersten Brett hängen und purzelt zurück.
Das sieht lustig aus.
So, jetzt hat es der kleine Dicke auch geschafft.
Nun kommt ein langer dünner, ungeschickter Mensch.
Der nimmt umständlich Anlauf und – istschon fast über den Zaun – da bleibt er mit der Zehenspiltze hängen!
So ein Pech!
Er legt sich der Länge nach hin!
Ein Glück, dass hinter dem Zaun weiches Gras ist!
Schläft unser Schaf schon?
Nein, heute will es so schnell nicht klappen.
Es macht weiter mit dem Menschenzählen.
Jetzt springen gut trainierte Feuerwehrleute und flinke Politessen über den Zaun. reihundertdreizehn, vierhundertsechsundzwanzig. Hurra, das Schaf gähnt schon!
Jetzt stellt es sich einen gangen Turnverein in gestreiften Turnanzügen vor, und alle Männer haben lange Zwirbelschnurrbärte.
Sie nehmen Anlauf – und plötzlich ist der Zaun weg!
Jetzt stellt sich das Schaf nämlich einen breiten, tiefen Wassergraben vor und wie gemein! der ist viel zu breit für die Turner!
Einer nach dem anderen purzelt hinein, das macht platsch und platsch und plitsch und platsch udn … chrrr … chrrr … jetzt ist das Schaf eingeschlafen …
Gute Nacht!

Wie Willi zu seinem Namen kam
Der kleine Rauhaardackel war noch ein Welpe, als er zu uns kam.
Wie alle Hundebabys sah er sehr niedlich aus.
“Wie soll er denn heißen?”, fragte Vati und schaute uns Kinder fragend an.
Wir hatten eine ganze Menge Vorschläge, aber immer war irgendeiner dagegen.
Da schlug Mutti vor, wir könnten ihn ja Murkel nennen.
Den neue Namen hatte sie aus einem Buch.
Diesmal waren alle einverstanden.
Der neue Namen passte gut zu unserem kleinen Dackel.
Denn er machte immer so murkelige Geräusche, wenn er sich in seinem Körbchen zurechtkuschelte.
Es dauerte immer eine Weile, bis der kleine Dackel endlich lag.
Erst musste er sich dremal drehen und senen Schwanz in die richtige Stellung bringen.
Zum Schluss schnaufte er noch einmal tief, und dann schlief er ein.
Vati erzählte uns, dass Murkel ein reinrassiger Dackel sei.
Er zeigte uns den Zuchtpass, in dem die Eltern unseres kleinen Hundes eingetragen waren.
“Guck mal, er heißt ja in Wirklichkeit Quax von der Wacholderheide”, rief Michael.
“Warum haben wir ihn denn nicht Quax genannt?”
Mutti erwiderte: “Quax, Quax! Das kann ich doch nicht rufen. Ich quake doch nicht wie ein Frosch hinter ihm her!”
Nein, da klang Murkel doch viel besser.
Unser kleiner Hund hörte auch bald auf seinen neuen Namen.
Wenn er hören wollte!
Als der kleine Dackel heranwuchs, wurde er immer eigensinniger und ungehorsamer.
Da konnten wir “Murkel, komm her!” rufen, so viel wir wollen.
Wenn Murkel etwas zum Schnüffeln gefunden hatte, war er plötzlich schwerhörig.
Einmal waren wir alle zusammen in der Stadt.
Murkel ging an der Leine, doch an jeder Ecke blieb er stehen, um zu schnüffeln.
Keiner konnte ihn wegziehen.
Obwohl das Halsband ihm schon die Gurgel zuschnürte, ließ er nicht locker.
Mutti rief immer wieder: “Nun komm schon, Murkel! Murkel!!!”
Doch irgendwann verlor sie die Geduld.
Sie brüllte ganz laut “Du blöder Willi!”
Und siehe da, unser Dackel kam angelaufen und war den Rest des Tages lieb und folgsam.
Wir haben sehr gelacht und ihn dann nur noch Willi genannt.
Auf diesen Namen hörte unser Dackel von diesem Tag an – na ja, wenn er hören wollte!

Willi geht wandern
Der Sonntag war unser Wandertag.
Er begann damint, dass Vati alle Wanderschuhe putzte.
Wenn er fertig war, ließ Vati die Schuhe auf der Terasse stehen, dann konnte sich jeder von uns sein Paar nehmen.
Der kleine Dackel Willi scaute ihm dabei zu und wurde immer aufgeregter.
“Die gehen wandern! Dann nehmen sie mich bestimmt mit!”, dachte er und legte sich auf die sauberen Schuhe.
So konnten wir ihn wirklich nicht vergessen – ganz schön schlau, unser Willi.
Waren wir mit dem Auto auf dem Wanderparkplatz angekommen, zappelte Willi schon ungeduldig, und kaum war die Wagentür auf, sprang er heraus und rannte los.
Wie gut, dass wir die Leine immer gut festhielten.
Er wäre sonst bestimmt auf die Straße gesaust.
Im Wald wurde die Leine gelöst.
Willi flitzte los und bellte dabei wie verrückt.
Schon bald war er uns weit voraus.
Manchmal konnten wir ihn gar nicht mehr sehen, aber man hörte ihn ja.
Kläff, kläff!
Wenn Willi sich ausgetobt hatte, begann er zu schnüffeln.
Mit seiner langen, spitzen Nase schnaufte er in Mauselöchter und verfolgte Kaninchenspuren, aber nie erwischte er eines.
Dazu waren seine Beine wohl zu kurz.
Wenn wir zu einer Wiese mit Kühen kamen, wurde Willi sehr mutig.
Er lief unter dem Zaun hindurch und kläffte die Kühe an.
Die großen Tiere erschranken sehr und setzten sich in Trab.
Sie rannten direkt auf Willi zu.
Oje, jetzt war unser kleiner Hund kein Held mehr.
Er bekam Angst, kniff den Schwanz ein und jagte jaulend zu uns zurück.
Bis zur nächsten Kuhweide blieb er brav bei uns.
Aber dann sprang er wieder los und bellte, das machte ihm einfach so viel Spaß!
War Willi nach ein paar Stunden Wanderung müde, trottete er langsam hinter uns her.
Wenn wir dann stehen blieben, hielt auch er sofort an und schaute zu uns auf, als ob er der bemitleidenswerteste Hund auf der ganzen Welt sei.
So erreichen wir den Wanderparkplatz.
Zu Hause angekommen machten wir alle einen Mittagsschlaf.
Auch Willi.
Der war nähmlich noch viel müder als wir alle zusammen.

Willi kann es
Eines Tages las Opa in einer Zeitschrift von einem Test für Hunde.
Damit ließ sich angeblich herausfinden, ob der Hund zu den schlauen oder den dummen Tieren gehörte.
Der Test wurde in dem Artikel genau beschrieben, und Opa las ihn nach dem Abendessen laut vor.
Nun waren alle neugierig, wie wohl Willi abschneiden würde, und wir beschlossen, ihn zu testen.
Die erste Aufgabe war eine Gehörprüfung.
Wir riefen “Willi, Willi!” – und richtig, Willi kam angedackelt.
Das war zu einfach.
Wir machten den nächsten Test.
Ein Stück Wurst wurde Willi gezeigt und dann unter einer umgedrehten Rührschüssel versteckt.
Ein kluges Tier hätte die Schüssel jetzt umgestoßen und die Wurst gefunden.
Willi aber schnüffelte nur aufgeregt an dem komischen Ding und gab dann auf.
Diese Aufgabe hatte er also nicht bestanden.
Dann sollte sich einer von uns verstecken, und Willi sollte ihn aufspüren.
Oje, das ging aber jämmerlich daneben.
Willi rannte schlichtweg an dem Versteck vorbei, setzte sich und kratzte sich hinter dem Ohr.
Den Suchtest mit den drei umgedrehten Schüsseln, von denen nur eine wirklich Wurst verbarg, machten wir erst gar nicht mehr.
Traurig stellten wir fest: “Er ist dumm! Aber wir haben ihn trotzdem lieb.”
Da begann Willi plötzlich zu bellen und rannte zur Speisekammer.
Die Tür war zu, aber Willi warf sich immer wieder mit dem ganzen Gewicht dagegen, bis sie aufsprang.
In der Kammer stand Mutti und war dabei, Willis Trockenfutter in eine Dose umzufüllen.
Das konnte unser Hund also durch die gescholossene Tür erkennen.
Wir jubelten.
Er hatte im Grunde alle Prüfungen bestanden!
Unser Willi war doch der Allerbeste.

Willi im Schnee
Es hatte über Nacht geschneit.
Willis erster Schnee!
Wir alle waren neugierig, was er wohl machen würde, wenn er die neue weiße Welt sah.
Mutti öffnete die Haustür, um ihn hinauszulassen, und wie immer sauste Willi unter großem Gebell los.
Doch dann blieb er plötzlich stehen und war still.
Was war das?
Willi schnupperte vorsichtig.
Er traute sich zuerst nicht, mit der Pfote in das weiße, kalte Zeug zu treten.
Er winselte und lief dort, wo der Schnee begann, hin und her.
Wir versuchten ihn zu beruhigen: “Komm doch, Willi, der Schnee tut dir nichts!”
Irgendwann merkte Willi, dass der Schnee nicht gefährlich war.
Er tapste los und zog dabei die Pfoten an, wie ein Storch im Salat, nur mit kurzen, krummen Beinen!
Das sah sehr drollig aus.
Wir liefen mit ihm in den Garten, dort wälzte sich Willi erst einmal ausgiebig und grunzte, als es sich gut anfühlte.
Er hopste durch den tiefen Schnee und ließ seine langen Schlappohren flattern.
Wir lachten, denn er sah wie ein kleiner Hase aus.
Ganz plötzlich blieb Willi stehen und stach mit seiner spitzen Schnauze in die weiche Masse.
Er schnaufte laut, sicher hatte er Schneeflocken in die Nase bekommen.
Bald wussten wir, warum Willi immerzu den Kopf in den Schnee stupste.
Er hatte eine Maus im Mauseloch gewittert und versuchte die Spur zu finden.
Aber er fand keine, auch nicht, als er wie wild zu graben begann.
Der Schnee färbte sich braun vor der Gartenerde, und im Nu sah unser Garten wie ein Schlachtfeld aus.
Mutti war gar nicht erfreut, als sie hinaussah.
Sie rief uns herein.
Vor der Tür mussten wir uns die nassen schmutzigen Schuhe ausziehen.
Mutti rubbelte währenddessen Willi sauber.
Plötzlich lachte sie laut auf.
Sie zeigte uns den Grund.
An Willis Bauchzotteln hingen hauter kleine Eiszapfen.
Manche waren sogar richtig lang und klingelten bei jedem Schritt aneinander.
Als Willi dann in seinem Körbchen lag, leckte er noch lange seine Pfoten, bis sie wieder warm waren.

Willi schläft
Der kleine Dackel Willi liebte Spaziergänge.
Dreimal am Tag ging einer von unserer Familie mit ihm hinaus.
Wenn Willi dann wiederkam, legte er sich ins Körbchen und machte ein Nickerchen.
Kaum war er eingeschlafen, begann er auch schon zu fiepen und zu japsen.
Seine kurzen Beinchen zuckten, manchmal sah es aus, als ob er im Schlaf laufen würde.
“Können Hunde träumen?”, fragte Sabine, die ihn beobachtete.
“Ja, natürlich!”, erklärte Mutti, “er träumt von Kaninchen und Mäusen.”
“Dann jagt er wohl gerade eins!”, vermutete Sabine.
Plötzlich wurde Willi wieder ganz ruhig und schlummerte friedlich weiter.
“Er hat es erwischt”, lachte Sabine, “guck mal, wie zufrieden er aussieht!”
Ja, da hatte Willi wohl im Traum geschafft, was er in Wirklichkeit nicht konnte.
Er war nämlich einfach zu langsam für die Jagd.
Vor lauter Schnüffeln merkte er oft gar nicht, dass er gerade an einem Kaninchen, das ruhig dahockte, vorbeigelaufen war.
Erst wenn es weghoppelte, sah er es.
Dann war es aber zu spät, und das Kaninchen war in aller Seelenruhe in seinem Loch verschwunden.
Wir beschlossen, dem schlafenden Willi einen Streich zu spielen.
Mein Bruder holte eine dünne Scheibe Fleischwurst.
Die legten wir ihm quer über die lange Schnauze.
Willi schlief selig weiter.
Aber er spürte wohl, dass etwas nicht in Ordnung war.
Ganz langsam regte sich etwas in ihm.
Erst drehte er sich ein wenig.
Dann begann seine schwarze, glänzende Nasenspitze zu schnuppern.
Schnüffel, schnüffel.
Die Nase bewegte sich stärker.
Noch lag der kleine Hund reglos da, nur die Nase war schon wach.
Dann auf einmal hatte Willi gemerkt, dass es nach leckerer Wurst roch.
Sogar ganz nahe!
Er öffnete erstaunt die Augen.
Es ist aber so, dass Hunde nur sehr schlecht sehen können.
Auch Willi sah erst einmal nichts Bosonderes.
Aber da war ja immer noch der Duft!
Ohne unser Gelächter zu verstehen, sprang er auf die Beine und begann zu suchen.
Immer mit der Scheibe Wurst auf seiner Nase.
Die war schon ein wenig zur Seite gerutscht und wackelte bei jeder Bewegung.
Freudig wedelte Willi mit dem Schwanz.
Jetzt hatte er die Wurst gefunden!
Er schielte an seiner Schnauze entlang und mit elegantem Schwung warf er die Scheibe in die Luft.
Haps!
Er hatte die Wurst verschlungen, ohne dass sie auf den Boden fiel.
Ein tolles Kunststück!
Und er wollte direkt noch eine, zur Belohnung.

Willi und der Knochen
Unser kleiner Dackel Willi hatte Geburtstag.
Er wurde ein Jahr alt.
Unsere Familie beschloss, richtig mit ihm zu feiern, und jeder überlegte sich eine Geburtstagsüberraschung.
Von Mutti bekam er ein Stück Fleischwurst zum Frühstück, denn die mochte Willi am allerliebsten.
Ich schenke ihm eine weiche Kuscheldecke für sein Körbchen.
Vatis Geschenk war ein Spaziergang im Tierpark.
Aber mein Bruder hat dann alles übertroffen.
Er hatte nach der Schule in einer Metzgerei einen Knochen für Willi gekauft.
Es war der größte Knochen, den man sich vorstellen konnte.
Dreimal so lang wie der Dackel und mindestens doppelt so schwer.
Willi war verblüfft und vergaß für einen Moment sogar das Schwanzwedeln.
Lange Zeit schnupperte er an dem dicken Knochen herum.
Dann endlich fand er eine Stelle, wo er zubeißen konnte.
Er versuchte, den Knochen wegzutragen, aber immer wieder stieß er an Möbeln an.
Klock, klock!
Wenn wir ihm helfen wollten, knurrte er böse, um sein Geschenk zu verteidigen.
Schließlich schaffte er es, den Riesenknochen unter die Eckbank zu zerren.
Ja, und da blieb Willi dann sitzen und bewachte seinen Knochen.
Drei ganze Tage und Nächte lang kam er nicht mehr unter der Bank hervor.
Nur wenn wir nicht im Raum waren, flitzte er in die Küche, um zu fressen und zu trinken, oder er lief durch die Klappe in der Hintertür nach draußen, um dort das Beinchen zu heben.
Sobald aber einer von uns den Raum betrat, sauste er wieder in seine Höhle und fletschte die Zähne.
Unser Willi war zu einem wilden, bösen Tier geworden.
Er hatte offensichtlich vergessen, wie lieb er uns hatte.
Wir waren ratlos, was wir tun sollten.
Der Knochen würde bald anfangen zu stinken; wir mussten ihn unter der Eckbank hervorholen.
Aber keiner von uns wollte gebissen werden.
Schließlich hatte Vati eine Idee.
Er nahm einen Besen und hielt ihn unter die Bank.
Willi biss mit seinen langen, spitzen Zähnen hinein und ließ nicht mehr locker.
Vati konnte ihn mitsamt dem Besen herausziehen.
Im gleichen Augenblick kam Mutti dem Schrubber von der anderen Seite und schob den Knochen hinaus.
Sie nahm ihn bliztschnell und rannte damit zur Mülltonne.
Geschafft!
Von dieser Sekunde an war unser Willi wieder der allerliebste Hund auf Erden.
Er wedelte mit dem Schwanz und ließ sich streicheln und kraulen.

Wo ist Willi
Jeden Morgen stand Mutti als Erste auf und ließ den kleinen Dackel Willi in den Garten, damit er sein Geschäft erledigen konnte.
Dann bekam Willi sein Frühstück.
Erst danach ging Mutti herum und weckte uns alle.
“Aufstehen, anziehen, in die Schule gehen”, rief sie durchs ganze Haus.
Das galt auch für Vati, der war nämlich Lehrer und musste wie wir zur Schule.
Eines Morgens im Dezember jedoch kam sie ins dunkle Wohnzimmer, wo Willis Körbchen stand.
Doch Willi kam ihr nicht wie gewöhnlich schwanzwedelnd entgegen.
Er war überhaupt nicht da!
Mutti suchte ihn im ganzen Haus.
Sie machte sich große Sorgen, weil sie ihn nirgends finden konnte.
Alle Türen waren geschlossen und die Fenster auch, klar, es war doch Winter.
Wo war Willi bloß. er konnte sich doch nicht einfach in Luft aufgelöst haben?
Aufgeregt ging sie ins Schlafzimmer, wo Vati noch schlief.
Er hatte sich ganz unters Bettzeug verkrochen, nur der dunkle Bart schaute noch heraus.
Aber was war das?
Auf der anderen Seite schaute auch ein dunkler Bart unter der Decke hervor!
Mutti musste lachen.
Jetzt wusste sie, wo Willi steckte.
Aber welcher Bart gehört nun zu Vati, und welcher war von Willi?
Dazu kam noch, dass beide Bärte laut schnarchten.
Sie lief rasch und weckte uns Kinder.
“Kommt schnell mit, aber leise!”
Dann standen wir an Vatis Bett und sahen, was los war.
Sabine flüsterte: “Ist doch klar, das da ist Willi!” und zupfte an einem der Bärte.
“Was ist denn los?”, brummte Vati verschlafen.
Er war sehr erstaunt, als er merkte, dass wir alle an seinem Bett standen.
Willi wachte auch auf, wedelte aufgeregt mit dem Schwanz und freute sich.
Warum Willi in Vatis Bett gekrochen war, konnten wir uns denken.
Ihm war es in seinem Körbchen wohl zu kalt geworden, so ganz allein.
Da hatte er sich einfach an Vatis warmem Rücken aufgewärmt.
Unser Willi war wirklich der klügste Hund der Welt!


