[카테고리:] Der kleine Prinz

  • Der Kleine Prinz – 22

    »Guten Tag«, sagte der kleine Prinz.
    »Guten Tag«, sagte der Weichensteller.
    »Was machst du da?« sagte der kleine Prinz.
    »Ich sortiere die Reisenden nach Tausenderpaketen«, sagte der Weichensteller. »Ich schicke die Züge, die sie fortbringen, bald nach rechts, bald nach links.«
    Und ein lichterfunkelnder Schnellzug, grollend wie der Donner, machte das Weichenstellerhäuschen erzittern.
    »Sie haben es sehr eilig«, sagte der kleine Prinz. »Wohin wollen sie? «
    »Der Mann von der Lokomotive weiß es selbst nicht«, sagte der Weichensteller.
    Und ein zweiter blitzender Schnellzug donnerte vorbei, in entgegengesetzter Richtung.
    »Sie kommen schon zurück?« fragte der kleine Prinz …
    »Das sind nicht die gleichen«, sagte der Weichensteller. »Das wechselt.«
    »Waren sie nicht zufrieden dort, wo sie waren? «
    »Man ist nie zufrieden dort, wo man ist«, sagte der Weichensteller.
    Und es rollte der Donner eines dritten funkelnden Schnellzuges vorbei.
    »Verfolgen diese die ersten Reisenden?« fragte der kleine Prinz.
    »Sie verfolgen gar nichts«, sagte der Weichensteller. »Sie schlafen da drinnen, oder sie gähnen auch. Nur die Kinder drücken ihre Nasen gegen die Fensterscheiben. «
    »Nur die Kinder wissen, wohin sie wollen«, sagte der kleine Prinz. »Sie wenden ihre Zeit an eine Puppe aus Stoff-Fetzen, und die Puppe wird ihnen sehr wertvoll, und wenn man sie ihnen wegnimmt, weinen sie … «
    »Sie haben es gut«, sagte der Weichensteller.

  • Der Kleine Prinz – 21

    In diesem Augenblick erschien der Fuchs.
    »Guten Tag«, sagte der Fuchs.
    »Guten Tag«, antwortete höflich der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah.
    »Ich bin da«, sagte die Stimme, »unter dem Apfelbaum … «
    »Wer bist du?« sagte der kleine Prinz. »Du bist sehr hübsch … «
    »Ich bin ein Fuchs«, sagte der Fuchs.
    »Komm und spiel mit mir«, schlug ihm der kleine Prinz vor. Ach bin so traurig …«
    Ach kann nicht mit dir spielen«, sagte der Fuchs. »Ich bin noch nicht gezähmt!«
    »Ah, Verzeihung! « sagte der kleine Prinz.
    Aber nach einiger Überlegung fügte er hinzu:
    »Was bedeutet ›zähmen‹?«
    »Du bist nicht von hier«, sagte der Fuchs, »was suchst du? «
    »Ich suche die Menschen«, sagte der kleine Prinz. »Was bedeutet ›zähmen‹?«
    »Die Menschen«, sagte der Fuchs, »die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig. Sie ziehen auch Hühner auf. Das ist ihr einziges Interesse. Du suchst Hühner?«

    »Nein«, sagte der kleine Prinz, »ich suche Freunde. Was heißt ›zähmen‹?«
    »Zähmen, das ist eine in Vergessenheit geratene Sache«, sagte der Fuchs. »Es bedeutet, sich vertraut machen‹.«
    »Vertrau t machen? «
    »Gewiss«, sagte der Fuchs. »Noch bist du für mich nichts als ein kleiner Junge, der hunderttausend kleinen jungen völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt … «
    »Ich beginne zu verstehen«, sagte der kleine Prinz. »Es gibt eine Blume … ich glaube, sie hat mich gezähmt…«
    »Das ist möglich«, sagte der Fuchs. »Man trifft auf der Erde alle möglichen Dinge … «
    »Oh, das ist nicht auf der Erde«, sagte der kleine Prinz.
    Der Fuchs schien sehr aufgeregt:
    »Auf einem anderen Planeten?«
    »Ja. «
    » Gibt es Jäger auf diesem Planeten? «
    »Nein.«
    »Das ist interessant! Und Hühner?«
    »Nein.«
    »Nichts ist vollkommen!« seufzte der Fuchs.
    Aber der Fuchs kam auf seinen Gedanken zurück:
    »Mein Leben ist eintönig. Ich jage Hühner, die Menschen jagen mich. Alle Hühner gleichen einander, und alle Menschen gleichen einander. Ich langweile mich also ein wenig. Aber wenn du mich zähmst, wird mein Leben wie durchsonnt sein. Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen andern unterscheidet. Die anderen Schritte jagen mich unter die Erde. Der deine wird mich wie Musik aus dem Bau locken. Und dann schau! Du siehst da drüben die Weizenfelder? Ich esse kein Brot. Für mich ist der Weizen zwecklos. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Und das ist traurig. Aber du hast weizenblondes Haar. Oh, es wird wunderbar sein, wenn du mich einmal gezähmt hast! Das Gold der Weizenfelder wird mich an dich erinnern. Und ich werde das Rauschen des Windes im Getreide lieb gewinnen.«
    Der Fuchs verstummte und schaute den kleinen Prinzen lange an.
    »Bitte … zähme mich! « sagte er.
    »Ich möchte wohl«, antwortete der kleine Prinz, »aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss Freunde finden und viele Dinge kennenlernen.«
    »Man kennt nur die Dinge, die man zähmt«, sagte der Fuchs. »Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!«
    »Was muss ich da tun?« sagte der kleine Prinz.
    »Du musst sehr geduldig sein«, antwortete der Fuchs. »Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bisschen näher setzen können … «
    Am nächsten Morgen kam der kleine Prinz zurück.
    »Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen«, sagte der Fuchs. »Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll … Es muss feste Bräuche geben.«
    »Was heißt ›fester Brauch‹?« sagte der kleine Prinz.
    »Auch etwas in Vergessenheit Geratenes«, sagte der Fuchs. »Es ist das, was einen Tag vom andern unterscheidet, eine Stunde von den andern Stunden. Es gibt zum Beispiel einen Brauch bei meinen Jägern. Sie tanzen am Donnerstag mit den Mädchen des Dorfes. Daher ist der Donnerstag der wunderbare Tag. Ich gehe bis zum Weinberg spazieren. Wenn die Jäger irgendwann einmal zum Tanze gingen, wären die Tage alle gleich und ich hätte niemals Ferien.«
    So machte denn der kleine Prinz den Fuchs mit sich vertraut. Und als die Stunde des Abschieds nahe war:
    »Ach! « sagte der Fuchs, »ich werde weinen. «
    »Das ist deine Schuld«, sagte der kleine Prinz, »ich wünschte dir nichts Übles, aber du hast gewollt, dass ich dich zähme … «
    »Gewiss«, sagte der Fuchs.
    »Aber nun wirst du weinen!« sagte der kleine Prinz.
    »Bestimmt«, sagte der Fuchs.
    »So hast du also nichts gewonnen! «
    »Ich habe«, sagte der Fuchs, »die Farbe des Weizens gewonnen.«
    Dann fügte er hinzu:
    »Geh die Rosen wieder anschauen. Du wirst begreifen, dass die deine einzig ist in der Welt. Du wirst wiederkommen und mir adieu sagen, und ich werde dir ein Geheimnis schenken.«
    Der kleine Prinz ging, die Rosen wiederzusehen.
    »Ihr gleicht meiner Rose gar nicht, ihr seid noch nichts,« sagte er zu ihnen. »Niemand hat sich euch vertraut gemacht, und auch ihr habt euch niemandem vertraut gemacht. Ihr seid, wie mein Fuchs war. Der war nichts als ein Fuchs wie hunderttausend andere. Aber ich habe ihn zu meinem Freund gemacht, und jetzt ist er einzig in der Welt.«
    Und die Rosen waren sehr beschämt.
    »Ihr seid schön, aber ihr seid leer«, sagte er noch. »Man kann für euch nicht sterben. Gewiss, ein Irgendwer, der vorübergeht, könnte glauben, meine Rose ähnle euch. Aber in sich selbst ist sie wichtiger als ihr alle, da sie es ist, die ich begossen habe. Da sie es ist, die ich unter den Glassturz gestellt habe. Da sie es ist, die ich mit dem Wandschirm geschützt habe. Da sie es ist, deren Raupen ich getötet habe (außer den zwei oder drei um der Schmetterlinge willen). Da sie es ist, die ich klagen oder sich rühmen gehört habe oder auch manchmal schweigen. Da es meine Rose ist.«
    Und er kam zum Fuchs zurück.
    »Adieu«, sagte er …
    »Adieu«, sagte der Fuchs. »Hier mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. «
    »Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar«, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
    »Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig. «
    »Die Zeit, die ich für meine Rose verloren habe … «, sagte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
    »Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen«, sagte der Fuchs. »Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich … «
    »Ich bin für meine Rose verantwortlich … «, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

  • Der Kleine Prinz – 20

    topAber nachdem der kleine Prinz lange über den Sand, die Felsen und den Schnee gewandert war, geschah es, dass er endlich eine Straße entdeckte. Und die Straßen führen alle zu den Menschen.
    »Guten Tag«, sagte er.
    Da war ein blühender Rosengarten.
    »Guten Tag«, sagten die Rosen.
    Der kleine Prinz sah sie an. Sie glichen alle seiner Blume.
    »Wer seid ihr?« frage er sie höchst erstaunt.
    »Wir sind Rosen«, sagten die Rosen.
    »Ach! « sagte der kleine Prinz …
    Und er fühlte sich sehr unglücklich. Seine Blume hatte ihm erzählt, dass sie auf der ganzen Welt einzig in ihrer Art sei. Und siehe!, da waren fünftausend davon, alle gleich, in einem einzigen Garten!
    Sie wäre sehr böse, wenn sie das sähe, sagte er sich … sie würde fürchterlich husten und so tun, als stürbe sie, um der Lächerlichkeit zu entgehen. Und ich müsste wohl so tun, als pflegte ich sie, denn sonst ließe sie sich wirklich sterben, um auch mich zu beschämen …
    Dann sagte er sich noch: Ich glaubte, ich sei reich durch eine einzigartige Blume und ich besitze nur eine gewöhnliche Rose. Sie und meine drei Vulkane, die mir bis ans Knie reichen und von denen einer vielleicht für immer erloschen ist, das macht aus mir keinen sehr großen Prinzen … Und er warf sich ins Gras und weinte.

  • Der Kleine Prinz – 19

    Der kleine Prinz stieg auf einen hohen Berg. Die einzigen Berge, die er kannte, waren die drei Vulkane und sie reichten ihm nur bis ans Knie, und den erloschenen Vulkan benutzte er als Schemel.
    Von einem Berg so hoch wie der da, sagte er sich, werde ich mit einemmal den ganzen Planeten und alle Menschen sehen … Aber er sah nichts als die Nadeln spitziger Felsen.
    »Guten Tag«, sagte er aufs Geratewohl.
    »Guten Tag … Guten Tag … Guten Tag … «, antwortete das Echo.
    »Wer bist du?« sagte der kleine Prinz.
    »Wer bist du … Wer bist du … Wer bist du … ?« antwortete das Echo.
    »Seid meine Freunde, ich bin allein«, sagte er.
    »Ich bin allein… allein … allein … «, antwortete das Echo.
    Was für ein merkwürdiger Planet! dacht er da. Er ist ganz trocken, voller Spitzen und ganz salzig. Und den Menschen fehlt es an Phantasie. Sie wiederholen, was man ihnen sagt … Zu Hause hatte ich eine Blume: sie sprach immer zuerst …

  • Der Kleine Prinz – 18

    Der kleine Prinz durchquerte die Wüste und begegnete nur einer Blume mit drei Blütenblättern, einer ganz armseligen Blume …
    »Guten Tag«, sagte der kleine Prinz.
    »Guten Tag«, sagte die Blume.
    »Wo sind die Menschen?« fragte höflich der kleine Prinz.
    Die Blume hatte eines Tages eine Karawane vorüberziehen sehen.
    »Die Menschen? Es gibt, glaube ich, sechs oder sieben. Ich habe sie vor Jahren gesehen. Aber man weiß nie, wo sie zu finden sind. Der Wind verweht sie. Es fehlen ihnen die Wurzeln, das ist sehr übel für sie.«
    »Adieu«, sagte der kleine Prinz.
    »Adieu«, sagte die Blume.