[카테고리:] Der eigensüchtige Riese

  • Der eigensüchtige Riese – 04

    Ich versteh nicht, warum der Frühling so spät kommt“, wunderte sich der eigensüchtige Riese, als er am Fenster saß und auf seinen kalten weißen Garten hinuntersah.

    „Ich hoffe, das Wetter ändert sich bald.“

    Aber der Frühling kam nie, und auch nicht der Sommer.

    Der Herbst gab jedem Garten goldene Früchte, aber dem Garten des Riesen gab er keine.

    „Er ist zu eigensüchtig“, sagte der Herbst.

    So blieb es darin immer Winter, und der Nordwind und der Hagel und der Frost und der Schnee tanzten um die Bäume.

    Eines Morgens lag der Riese wach in seinem Bett, als er eine liebliche Musik vernahm.

    Es klang so süß an seine Ohren, dass er dachte, die Musikanten des Königs zögen vorüber.

    Aber es war bloß ein kleiner Hänfling, der vor seinem Fenster sang, nur hatte er so lange keinen Vogel mehr in seinem Garten singen hören, dass es ihm wie die schönste Musik der Welt vorkam.

    Da hörte der Hagel auf, über seinem Kopf zu tanzen, und der Nordwind hielt den Atem an, und ein köstlicher Duft strömte durch den geöffneten Fensterflügel.

    „Ich glaube, der Frühling ist endlich gekommen“, sagte der Riese; und er sprang aus dem Bett und schaute hinaus.

  • Der eigensüchtige Riese – 03

    Dann kam der Frühling, und überall im Land waren kleine Blüten und kleine Vögel.

    Nur in dem Garten des eigensüchtigen Riesen blieb es Winter.

    Die Vögel machten sich nichts daraus, darin zu singen,  weil keine Kinder da waren, und die Bäume vergaßen zu blühen.

    Einmal steckte eine schöne Blume ihr Köpfchen aus dem Gras hervor, aber als sie die Warntafel sah, war sie so betrübt um die Kinder, dass sie wieder in den Boden hineinschlüpfte und weiterschlief.

    Die einzigen Leute, die sich freuten, waren der Schnee und der Frost.

    „Der Frühling hat diesen Garten vergessen!“ riefen sie.

    „So wollen wir hier das ganze Jahr hindurch leben.“

    Der Schnee bedeckte das Gras mit seinem großen weißen Mantel, und der Frost bemalte alle Bäume silberweiß.

    Dann luden sie den Nordwind ein, bei ihnen zu wohnen, und er kam.

    Er war ganz in Pelze eingehüllt, brüllte den ganzen Tag durch den Garten und blies die Schneekappen von den Schornsteinen herunter.

    „Das ist ein ganz herrlicher Platz“, sagte er, „wir müssen den Hagel auf einen Besuch bitten.“

    Und so kam der Hagel.

    Jeden Tag trommelte er drei Stunden lang auf das Schlossdach herunter, bis er fast alle Schieferplatten zerbrochen hatte, und dann sauste er rund um den Garten, so schnell er nur konnte.

    Er war ganz grau angezogen, und sein Atem war wie Eis.

  • Der eigensüchtige Riese – 02

    Eines Tages kam der Riese nach Haus.

    Er hatte seinen Freund, den gehörnten Menschenfresser, besucht und war sieben Jahre bei ihm geblieben.

    Als die sieben Jahre um waren, war alles gesagt, was er ihm zu sagen hatte, denn sein Gesprächsstoff war sehr beschränkt, und so beschloss er, auf sein eigenes Schloss zurückzukehren.

    Als er nach Hause kam, sah er die Kinder in seinem Garten spielen.

    „Was tut ihr hier?“ rief er sehr mürrisch, und die Kinder liefen weg.

    „Mein Garten, das ist mein Garten“, sagte der Riese, „das sieht jeder ein, und ich erlaube niemandem sonst, darin zu spielen als mir selber.“

    Also baute er eine mächtige Mauer ringsum und stellte eine Warntafel auf:


    UNBEFUGTES BETRETEN DIESES GRUNDSTÜCKS
    IST BEI STRAFE VERBOTEN!


    Es war ein sehr eigensüchtiger Riese.

    Die armen Kinder hatten jetzt nichts mehr, wo sie spielen konnten.

    Sie versuchten’s auf der Landstraße, aber die Landstraße war sehr staubig und steinig, und sie mochten sie nicht leiden.

    So gingen sie also, wenn die Schule aus war, um die große Mauer herum und sprachen von dem schönen Garten dahinter.

    „Wie glücklich waren wir da“, sagten sie zueinander.

  • Der eigensüchtige Riese – 01

    Jeden Nachmittag, wenn die Kinder aus der Schule kamen, gingen sie in den Garten des Riesen und spielten dort.

    Es war ein großer hübscher Garten mit weichem grünen Gras.

    Hier und da auf dem Rasen standen schöne Blumen wie Sterne, und da waren auch zwölf Pfirsichbäume, die im Frühling zartrosa und perlweiß blühten und im Herbst reiche Frucht trugen.

    Die Vögel saßen auf den Bäumen und sangen so süß, dass die Kinder immer wieder in ihren Spielen innehielten, um zu lauschen.

    „Wie glücklich wir hier doch sind!“ riefen sie einander zu.